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RSSPrint

Suche Frieden und jage ihm nach

Universitätsgottesdienst am Ende der Vorlesungszeit

Dienstag, 29. Januar 2019

19:30 Uhr

Oberkirche St. Nikolai (Cottbus, Oberkirchplatz)

Der Internationale Gottesdienst (in Deutsch und Englisch) wurde vorbereitet vonStudierenden der BTU und Studierendenpfarrer Reinhard Menzel.  Wir haben gemeinsam gesungen, gebetet und auf Gottes Wort gehört. Anschließend war Gelegenheit zu Begegnungen und Gesprächen.

 

 

 

University Church Service

Tuesday, 29. January 2019, 07:30 pm

Upper Church St. Nikolai (Cottbus, Oberkirchplatz)

SEEK PEACE AND PURSUE IT - The international worhip service (in German and English) was prepared by students of the BTU and university chaplain Reinhard Menzel. We sang together, prayed and listened to God's Word. Afterwards, there was the opportunity for meetings and talks.

 

Sermon on Psalm 34

(by Rev. Reinhard Menzel)

Grace and peace to you from God our Father and the Lord Jesus Christ. Amen.   (1. Cor. 1:3)

Dear students, dear university staff! Dear sisters and brothers in Jesus Christ!

Peacelessness reigns on earth ... Not only between states and peoples, but also in interpersonal relationships. Yes, even in our private environment there is envy, resentment, strife, hatred. Families are divided. And often we stand helpless between the fronts or in the middle of a strife.

Peacelessness reigns on earth – that was and is the sobering and resigning description of our reality. The man or woman whom we owe Psalm 34 to counter this conclusion: “Seek peace and pursue it!”

Pursuing, “Chasing” the peace? Really? I have the greatest peace when I am not proverbially “on the hunt”, don’t I? At home on my couch. There I have rest and peace. And when it gets too hard, I turn off the TV or tablet.

It's not that easy. Nothing will change in this peaceless world around me and inside me. Retreating into your own four walls, that is no solution! This has already been experienced by Jesus’ disciples.

The evangelist John tells of it: “Peace with you!” Suddenly he stands in the room and says these words to them, the disciples who have hidden themselves after Jesus died, indeed they have barricaded themselves (John 20:21). They look up. There they see him with their own eyes, Jesus himself. He has stepped through the wall of their fears, is back in the midst of them.

Peace, Shalom, Salam. With these words to this day, people in the Arab world greet each other. A peace in the broad sense is meant: Salvation and well-being, prospering, yes, integrity for every single human being; Prosperity and good fellowship in the community. Jesus wants to his disciples such shalom, a peace that is rooted in God and growing in connection with him. It is endowed with a gentle, astonishing power: This peace can disarm people and remove the armor they want to protect from others. Through this peace, some people can overcome those walls that other people have built around themselves. Yes, they can go through them to take away their fear.

An example of how this can happen is given by Navid Kermani in his book “Wonder Beyond Belief: On Christianity”. He talks about the Catholic Father Paolo Dall'Oglio. He started to study Islam because of a vision. In 1984, Father Paolo begins to restore a dilapidated monastery in Syria, whose origins date back to the 6th century. There he founds a religious community dedicated to ecumenism between Christianity and Islam. Father Paolo says of himself that he has fallen in love with the other religion. In his congregation he extends the monastic virtues of prayer and working for the Islamic ones of hospitality and dialogue. The monks and nuns of the monastery follow the Islamic fasting month of Ramadan. Christian Muslim seminars are offered. In the chapel of the monastery old frescoes are exposed. But one wall remains unimaginative –  as usual in Islam. There Muslims can pray in the direction of Mecca.

In Mar Musa, Father Paolo has created a place where the peace salutation “Peace with you” is lived, hospitably and ecumenically, in the midst of a war-torn region. Here anyone who believes or thinks differently is not regarded as an enemy, but as a friend; not threatening, but enriching.

This is risky, because it is a provocation for religious extremists when their claim to absoluteness is called into question. In 2012, Father Paolo was abducted by Islamists, since then he is considered lost. In Mar Musa, however, monks and nuns carry on what he initiated.

Perhaps we too can be touched by Father Paolo and try to live the peace salutation “Peace with you”

in the small things of our everyday life.  No matter how we greet people, whether with “Hello”, “Good morning” or whatever, we can always think along in our thoughts: “Shalom! – Salam! – Peace with you!” With every peace salutation, spoken and lived, we honor those who are different from ourselves. We guard the hope that in the stranger a friend hides, that swords become plowshares and sometimes wings shimmer under a armor.

And the peace of God, which transcends all understanding, will guard your hearts and your minds in Christ Jesus. (Phil. 4:7)

(Kermani, Navid: Wonder Beyond Belief: On Christianity (D C. H. Beck, Munich, 13th Edition 2016)

 

Predigt zu Psalm 34

(von Studierendenpfarrer Reinhard Menzel)

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater,  und dem Herrn Jesus Christus. Amen. (1. Kor. 1,3)

 

Liebe Studierende, liebe Uni-Mitarbeitende! Liebe Schwestern und Brüder !

Unfriede herrscht auf der Erde … Nicht nur zwischen Staaten und Völkern, auch in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Ja, selbst in unserem privaten Umfeld gibt es Neid, Missgunst, Streit, Hass. Familien sind zerstritten. Und oft stehen wir hilflos zwischen den Fronten oder mittendrin im Streit.

Unfriede herrscht auf der Erde – das war und ist die ernüchternde und resignierende Beschreibung unserer Wirklichkeit. Diesem Fazit hält der Mann oder die Frau, denen wir Psalm 34 verdanken, entgegen: „Suche Frieden und jage ihm nach!“

Dem Frieden „nachjagen“? Wirklich? Habe ich nicht dann den größten Frieden, wenn ich eben gerade nicht sprichwörtlich „auf der Jagd“ bin? Zuhause auf meiner Couch.Da habe ich Ruhe und Frieden. Und wenn es zu heftig wird, schalte ich den Fernseher oder das Tablet aus.

So einfach geht es nicht. Da wird sich nichts ändern in dieser friedlosen Welt um mich herum und in mir drin. Rückzug in die eigenen vier Wände ist keine Lösung! Das haben schon Jesu Jünger erfahren. Der Evangelist Johannes erzählt davon:

„Friede sei mit euch!“ Plötzlich steht er im Raum und sagt diese Worte zu ihnen, den Jüngern, die sich nach Jesu Tod verkrochen, ja verschanzt haben (Joh 20,21).  Sie blicken auf. Da sehen sie ihn, Jesus selber, mit eigenen Augen. Er ist durch die Mauer ihrer Ängste getreten, ist wieder mitten unter ihnen.

Friede, Schalom, Salam. Mit diesen Worten grüßen sich im arabischen Raum bis heute Menschen einander. Ein Friede im umfassenden Sinn ist damit gemeint: Heil und Wohlergehen, Gedeihen, ja, Unversehrtheit für jeden einzelnen Menschen; Wohlstand und ein gutes Miteinander in der Gemeinschaft.

Solch einen Schalom wünscht Jesus seinen Jüngern, einen Frieden, der in Gott wurzelt und in der Verbindung zu ihm wächst. Er ist ausgestattet mit einer sanften, verwundernden Kraft:  Dieser Friede vermag Menschen zu entwaffnen und den Panzer abzulegen, mit dem sie sich vor anderen schützen wollen. Durch diesen Frieden können die einen jene Mauern überwinden, die andere um sich errichtet haben. Ja, können sie durch sie hindurchtreten, um ihnen die Angst zu nehmen.

Ein Beispiel wie das geschehen kann, erzählt Navid Kermani in seinem Buch „Ungläubiges Staunen. Über das Christentum“.

Er erzählt von dem katholischen Pater Paolo Dall'Oglio. Der hat aufgrund einer Vision angefangen, sich mit dem Islam zu beschäftigen. 1984 beginnt Pater Paolo, ein verfallenes Kloster in Syrien zu restaurieren, dessen Ursprünge bis ins 6. Jahrhundert zurückreichen. Er gründet dort eine Ordensgemeinschaft, die sich der Ökumene zwischen Christentum und Islam verschreibt. Pater Paolo sagt von sich selbst, er habe sich in die andere Religion verliebt.

In seinem Orden erweitert er die mönchischen Tugenden des Betens und Arbeitens um die islamischen der Gastfreundschaft und des Dialogs. Die Mönche und Nonnen des Klosters halten sich an den islamischen Fastenmonat Ramadan. Christlich-muslimische Seminare werden angeboten. In der Kapelle des Klosters werden alte Fresken freigelegt. Eine Wand aber bleibt – wie im Islam üblich – bilderlos. Dort können Muslime in Richtung Mekka beten.

Mit Mar Musa hat Pater Paolo einen Ort geschaffen, in dem der Friedensgruß „Friede sei mit euch“ gelebt wird, gastfreundlich und ökumenisch, und das mitten in einer vom Krieg gebeutelten Region. Wer anders glaubt oder denkt, wird hier nicht als Feind angesehen, sondern als Freund; nicht als bedrohlich, sondern als bereichernd.

Das ist riskant, denn religiöse Extremisten erleben es als Provokation, wenn ihr Absolutheitsanspruch infrage gestellt wird.

Im Jahr 2012 wurde Pater Paolo von Islamisten verschleppt, seitdem gilt er als verschollen. In Mar Musa aber führen Mönche und Nonnen weiter, was er angestoßen hat.

Vielleicht lassen auch wir uns von Pater Paolo anstoßen und versuchen, den Friedensgruß „Friede sei mit dir“ in den kleinen Dingen unseres Alltags  zu leben. Egal, wie wir Menschen begrüßen,

ob mit „Hallo“, „Guten Tag“ oder wie auch immer, wir können dabei in unseren Gedanken stets mitdenken: „Schalom! – Salam! – Friede sei mit dir!“

Mit jedem Friedensgruß, gesprochen und gelebt, würdigen wir den, der anders ist als wir selbst. Wir hüten die Hoffnung, dass sich im Fremden ein Freund verbirgt, dass aus Schwertern Pflugscharen werden und unter einem Panzer manchmal Flügel schimmern.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen. (Phil. 4,7)

Kermani, Navid: Ungläubiges Staunen. Ober das Christentum (D C. H. Beck, München, 13. Auflage 2016.)

 

Letzte Änderung am: 16.02.2019